5 Fragen an… Stephan Witt, Spitzencluster BioEconomy

Interview über die Strategie des Clusters, die nächsten Meilensteine und Cleantech-Unternehmen aus der Region Leipzig, Halle, Leuna

Cleantech News / Leuna. Ob Stephan Witt und Thomas Hirth einen Satz in die Höhe machten, als sie erfuhren, dass ihr gemeinsam koordiniertes Projekt „BioEconomy“ auserkoren wurde, vom Bund gefördertes Spitzencluster zu werden, ist nicht bekannt. Klar ist aber, dass in der Region Leuna/Halle/Leipzig ein hoch interessantes Spitzencluster entsteht, das in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 40 Millionen Euro gefördert wird. Mit Clustermanager Stephan Witt sprachen wir über die Strategie des Clusters und die kommenden Meilensteine beim Aufbau eines Cluster-Teams.

CleanThinking.de: BioEconomy wurde vom Bund als Spitzencluster ausgewählt – wodurch zeichnet sich das Cluster vor allem aus?

Stephan Witt: Das Spitzencluster ist ein Industriecluster, das gemeinsame Kernkompetenzen zur Nutzung von Biomasse vertritt. Wir verfolgen das Ziel, die Bioökonomie in Mitteldeutschland umzusetzen. Hierzu gibt es viele Kompetenzen in der Region, seien es Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Jetzt geht es darum, die Wirtschaft zu entwickeln und ganz konkrete Wertschöpfung und Innovationen zu schaffen. Mit diesem thematischen Fokus ist der Cluster BioEconomy einzigartig unter den Clustern, die sich im Spitzencluster-Wettbewerb beworben hatten.

CleanThinking.de: Sie haben die thematische Ausrichtung angesprochen – was bedeutet das konkret?

Stephan Witt: Wir fokussieren uns auf die möglichst vollständige stoffliche, werkstoffliche und energetische Nutzung von Biomasse in einem gemeinsamen Verbund, als so genannte Kaskadennutzung. Dabei möchten wir nicht komplett neue Ansätze erforschen, sondern vielmehr die Ansätze, die im Labor bereits erprobt sind, in industrielle Anwendung bringen oder auf industrielle Maßstäbe hochskalieren. Dabei dient die Forschung quasi als Mittel zum Zweck für die Entwicklung von Projekten.

CleanThinking: Wie ist BioEconomy in der Verwaltung aufgestellt und welche Leitprojekte sind vorgesehen?

Stephan Witt: Es ist eine Koalition von Partnern, die enthusiastisch und risikowillig an die Aufgabe herangegangen ist. Darüber hinaus gibt es eine größere Gruppe aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die ihre Absicht erklärt haben, beim Spitzencluster mitzuwirken. JSW Consulting hat das Clustermanagement übernommen und versucht nun die Interessen aller möglichst zum Ausgleich zu bringen, damit jeder Partner im Cluster vom Netzwerk und von den Projekten profitieren kann. Das erste Leitprojekt, an dem viele der insgesamt 46 KMU teilnehmen und das vom Fraunhofer-IWM in Halle koordiniert wird, beschäftigt sich mit Kunststoffen auf Basis von Lignin zum Beispiel Thermoplasten, PU-Schäumen und Phenolharzen. Ein weiteres unter Federführung von Linde und Total widmet sich der biobasierten Herstellung von Wasserstoff und Kohlenwasserstoffen. Im dritten, vom Umweltforschungszentrum (UFZ) Leipzig koordinierten Leitprojekt geht es um die Analyse der Stoff- und Energieströme, um die größtmögliche Nachhaltigkeit der Prozesse zu erzielen.

Welche Unternehmen bieten hier Ansätze, die sie durch das Netzwerk und die Fördergelder stärker vorantreiben wollen?

Stephan Witt: Ein herausragendes Beispiel ist das Unternehmen Homatherm aus Berga. Dort werden Dämmstoffe aus Holz und Zellulose produziert, die nicht nur mit ausgezeichneten Dämmeigenschaften überzeugen, sondern auch besonders umweltfreundlich produziert werden. Damit sind diese umweltverträglichen Dämmstoffe konkurrenzfähig zu herkömmlichen Dämmmaterialien. Homatherm ist Marktführer in diesem Segment, sehr innovativ – wir wollen dabei mithelfen, die Produkte noch besser im Markt zu verankern. Ein anderes Exempel ist Timura. Die Timura Holzmanufaktur aus dem Südharz ist auf thermisch modifiziertes Holz spezialisiert, das als Alternative zu Tropenholz eingesetzt werden kann. Die Technologie von Timura macht es möglich, Massivholz für den Innen- sowie Nass- und Wellnessbereich kompromisslos und ohne schlechtes Gewissen einzusetzen. Vorteile sind Qualität und Schadstoffarmut sowie die Energieeffizienz des Verfahrens. Auch Timura hat ein sehr spannendes Produkt.

CleanThinking.de: Wie ist das übergreifende Ziel von BioEconomy?

Stephan Witt: Ziel ist es, eine „Think Tank-Region“ für die Bioökonomie zu kreieren. Wir wollen hier das herausragende Know-How zur Nutzung von Biomasse bündeln. Hier sollen Pilot- und Demoanlagen aufgebaut werden – und die Anwendung dieser sauberen Technologien soll über die ganze Welt hinaus verteilt werden. Dazu wollen wir alle Kräfte in der Region zusammenführen und das enorme Potenzial des Spitzenclusters zum Tragen bringen.

CleanThinking.de: Herr Witt, wir bedanken uns sehr für das Gespräch.
Quelle: cleanthinkig.de

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